Naumburger Tagblatt 30.07.2012Reben, Wein und Mauern
|
| FREYBURG/NAUMBURG - An die 3.000 Rebstöcke auf sieben von Stützmauern bewehrten Terrassen, ein Schaugarten mit den 17 Hauptanbausorten des Saale-Unstrut-Gebietes samt einiger Altsorten und inmitten des Berges, im Blickwinkel zur Neuenburg, ein zweistöckiger barocker Pavillon: Der Herzog-liche Weinberg bei Freyburg war Ziel der ersten Veranstaltung des Vereins Kunst in Naumburg außerhalb der Domstadt. Getreu dem Motto "Weinbau ist auch Kunst"
war zu einer geselligen Gesprächsrunde eingeladen worden. Zu nächst mit den beiden Gästeführern Birgit Kühnel und Rainer Göhle. Da ging es um den Weinanbau, dessen Geschichte und neuzeitliche Blüte. 750 Hektar sind es inzwi-schen geworden, die in drei Bundesländern von Werder in Brandenburg bis nach Weimar in Thüringen und Westerhausen im Harz von 700 Winzern, die meisten Nebenerwerbs und Hobbywinzer,. bewirtschaftet werden. 60 Weingüter keltern im Haupt- und Nebenerwerb eigene Weine, während das Gros sich in der Winzervereinigung Freyburg zusammen-geschlossen hat. Die Geschichte des Herzog-lichen Weinbergs lässt sich bis ins 18. Jahr-hundert zurückverfolgen. Er wird seit 1992 vom Naturpark Saale-Unstrut-Triasland bewirtschaftet. Bis zur obersten Terrasse des barocken Weinbergs ging die Führung an diesem Tage indes nicht. |
Einer der heißesten Sonnentage des Monats machte den Aufstieg zur Herausforderung.
Da wirkten die Kalksteine der Stützmauern wie die Steine in beheizten altdeutschen Backöfen. Gefühlte 40 Grad! Alle waren dann doch schon ein wenig froh, dass Baumeister Erhard Krause
Arbeitsgänge an einer von ihm errichteten Trockenmauer im Tal demon-strierte. Im Nachbargrundstück des "Herzoglichen", im Berg von Vereinsmitglied Klaus Reichardt, der auch als Moderator der Veranstaltung fungierte. 30 Ouadratmeter seien das hier nur von insgesamt 3.000 Quadratmetern Trocken-mauern, die er und seine zwölf Angestellten in den letzten Jahren neu gesetzt haben, erläuterte Krause. Sein kleiner Schlebe-rodaer Baubetrieb hat sich auf Trockenmauerbau spezialisiert, eine Hand-werkskunst der Altvorderen, die schon am Aussterben war. Warum jetzt so viele Terrassen einstürzen, fragten Vereinsmit-glieder. "Gut 100 Jahre lang ist an den Stützmauern kaum etwas gemacht worden, das kommt jetzt alles auf uns zu", so Krause. Mit Blick auf die Weltkulturerbebewerbung ist die Erhaltung der landschaftsprägenden Weinbergterrassen so wichtig wie nie und die Sanierung wird vom Land gefördert. Diese ist aufwendig. Weitgehend mit den vorhandenen Steinen muss von Grund auf neu aufgebaut werden. Eine körperlich schwere Arbeit. |
"Allein beim Aufbau dieser relativ kleinen Mauer von 30 Quadratmetern mussten 105 Tonnen Material per Hand bewältigt werden", erläuterte der Baumeister am aktuellen Beispiel. Natürlich gehörte auch eine zünfti Weinverkostung zum Ausflug der Naumburger. Und die Naumburger Künstlerin Anita Wolf stellte ihren 2013er Kalender mit gemalten Ansichten von Saale- und Unstrutlandschaften vor. FAKTEN Besonders wertvoll In der Region Freyburg werden die Terrassenweinberge weitgehend von Trockenmauern gestützt. Material sind Kalk- und Sandsteine, die trocken, das heißt ohne Bindemittel, bis auf zwei Meter Höhe errichtet werden. Die exakt gesetzte Mauer hat den durch den gewachsenen Boden und durch Aufschüttung entstehenden Erddruck aufzunehmen. Sie macht die Fortbewegun-gen des Bodens mit. Dabei muss jeder Stein so gelegt sein, dass er durch eigene Schwere unverrückbar in seiner Lage bleibt. Eine Hinterfüllung mit Packlager dient der Ableitung von Oberflächen- und Hangwasser. Die Mauerstärke am Fuß entspricht einem Drittel der Mauerhöhe. Die Fugen der Mauern (innen feucht, außen warm) bieten Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen. Sie sind deshalb besonders wertvoll. |
