Naumburger Tagblatt 30.06.2012

Neue Musik hören und verstehen
Der Verein Kunst in Naumburg beginnt am 7. Juli mit einer Veranstaltungsreihe. VON STEPHANIE LOTZE

NAUMBURG - Musik von Komponisten des 20. Jahrhunderts, so von Igor Stravinski, Arnold Schönberg, Olivier Messiaen und Luigi Nono, wird am Sonnabend, 7. Juli, ab 19 Uhr im Naumburger Nietzsche-Dokumentations-zentrum vorgestellt. Damit eröffnet der Verein Kunst in Naumburg seine neue Veranstaltungsreihe "Hörprobe". Mit ihr soll unter dem Motto "Hören und Verstehen" in die Welt der Neuen Musik eingeführt werden. Roter Faden dabei sind die vielleicht etwas provokanten Fragen: Ist Neue Musik schön, ist sie wahr und schließt das eine das andere aus? Diese "Einführung in die Welt der Neuen Musik" übernehmen mit Jacob Ullmann (Basel und Naumburg) und Lucie Martin (Colmar) zwei dafür prädestinierte Künstler. Ullmann ist Professor für Komposition, Notationskunde und Musiktheorie an der Musik-Akademie der Stadt Basel. Sie entspricht einer Hochschule für Musik. Lucie Martin arbeitet als Klavierpädagogin ebenfalls an der Baseler Akade Sie engagiert sich als Pianistin für zeitgenössische Musik. Sie entspricht einer Hochschule für Musik. Lude Martin arbeitet als Klavierpädagogin ebenfalls an der Baseler Akade Sie engagiert sich als Pianistin für zeitgenössische Musik. Der amerikanische Komponist John Gage, bekannt in Sachsen-Anhalt als "Dauerorgeltöner" in einer Kirche in Halberstadt, sagte über seinen Künstlerkollegen Morton Feldman (1926 - 1987) sinngemäß folgendes: Meine Musik steht näher am Hässlichen, Morton Feldmans Musik steht näher an dem, was man als schön bezeichnen könnte. Zwei längere Hörproben der Musik von Feldman, "Last pieces 1 and 3" und "Intermission 3 and 4", werden darüber individuellen Aufschluss geben. Kollektive Beurteilung ist nicht möglich, der Hörer wird bei dieser Hörprobe mit sich und vielleicht auch mit seiner Langeweile allein sein. Zur eingangs gestellten Frage zurück: Nein, Schönheit und Wahrheit schließen sich nicht aus. Auch Wahres kann schön sein, aber nur, weil etwas schön ist, muss es noch lange nicht wahr sein. Was unsere Ohren, vermittelt durch den Geist, als schön empfinden, dies ist ein Lernprozess. Mit dem Vortrag von Tonbeispielen und Bildern wird am 7. Juli im Nietzsche-Zentrum kein Abend zum Augenschließen und Genießen, sondern einer, der herausfordert, zu erleben sein. Die Besucher sollten sich also einlassen, auf "Ohrenweiten"!

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